BURGSTALL
JULBACH
GEMEINDE
JULBACH
NIEDERBAYERN
ARCHÄOLOGISCHE
AUSGRABUNG
OKTOBER 2008

Maßnahmennummer M – 2007 – 16210 -2_0
Februar 2009
INHALT
I. FORMALES
S. 3 - 5
II. GESCHICHTLICHE RAHMENDATEN
S. 6 & 7
III.
BAUBESTAND
S. 8
IV.
ZIELSETZUNG DER SCHNITTE
S. 9
V.
SCHNITTBESCHREIBUNGEN & BEFUNDE
S. 10 - 17
Schnitt S 10 S. 10 & 11
Schnitt S 11 S. 12 & 13
Schnitt S 12 S. 14 – 16
Archäologisches
Fenster S. 17
VI.
FUNDE & FUNDKATALOG
S. 18 & 19
VII.
ZUSAMMENFASSUNG
S. 20 & 21
VIII.
AUSBLICK
S. 22
ANLAGEN
Grabungstagebuch mit Nivellement
Teilnehmerliste
Fotoliste
Fotonegative (nur Originalexemplar BLfD)
I. FORMALES
Im August 2003 und Oktober 2005 führte der Verein „Burgfreunde zu Julbach e.V.“ in enger Abstimmung mit der Gemeinde Julbach unter der Aufsicht und Anleitung des Berichterstatters kleine Sondagen auf dem Burgstall Julbach durch. Dabei gewann man nicht nur beträchtliche Neuerkenntnisse zur ehemaligen Burganlage, sondern auch immer mehr Mitglieder. Der Verein kümmert sich seitdem vorbildlich um den Burgplatz, hält das Gelände konstant von Bewuchs frei und bemüht sich um eine bessere Erschließung. Zwei archäologisch freigelegte Mauerfragmente wurden mit reversiblen Überdachungen versehen und saniert (Abb. 1 & Abb. 2). Auch werden die hier einst hyperaktiven Sondengänger nun wesentlich effizienter und konsequenter vom Burgberg fern gehalten.

Fig. 1:
Schutzbau(2006) über dem 2005 sanierten
Mauerzug M2 in Schnitt S 5 (2003)
Mittlerweile existieren zur ehemaligen Burg und zu dem mit ihr in Bezug zu bringenden Erdstall mehrere große Infotafeln, eine Fundpräsentation im Rathaus mit zwei großen Schrankvitrinen und neue wissenschaftliche Abhandlungen (Grabungsberichte). Auf dem Burgstall steht neben einer ansehnlichen Picknickgarnitur ein Fahnenmast, dessen Fahne den Burgstall weithin sichtbar anzeigt.
Zu Beginn des Jahres 2008 kontaktierte der Verein den Berichterstatter und signalisierte dabei die Bereitschaft des Vereins, einmal mehr archäologisch am Burgstall tätig zu werden. Angestrebt waren ein weiterer Wissenszugewinn und eine neuerliche Mobilisierung aller Mitglieder, um nicht die Dynamik des denkmalpflegerischen Einsatzes zu verlieren.
Am 11. 02. 2008 stellte der Verein „Burgfreunde zu Julbach e.V.“ einen Antrag auf Durchführung einer archäologischen Ausgrabung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Rottal-Inn in Pfarrkirchen, der am 04. 06. 2008 positiv beschieden wurde. Die im Genehmigungs-bescheid fixierten Auflagen wurden den Grabungsteilnehmern und dem Berichterstatter bekannt gemacht. Der Antrag umfasste zwei weitere archäologische Schnitte im Süden des Burgareals (S 10 & S 11), wobei Schnitt S 10 zur Weiterverfolgung des 2003 in Schnitt S 3 angetroffenen Mauerzugs M1 diente.
Die Grabung begann am Samstag, 18. 10. 2005, um 09.00 Uhr mit der Einrichtung der Baustelle und der Einführung der Teilnehmer in die Situation vor Ort, in die Methodik der Archäologie und in die Thematik der Denkmalpflege. Von 10.00- 17.00 Uhr erfolgten dann die eigentlichen Grabungsarbeiten, wobei von den 30 Personen, die erschienen waren, gut die Hälfte mit Aufräum- und Säuberungsarbeiten beschäftigt war. Am Sonntag um 9.00 Uhr erschienen 15 Mitglieder bis gegen 14.30 Uhr, so dass insgesamt 45 Personen teilnahmen.
Das Wetter war an beiden Tagen nach anfänglichem Nebel sehr gut.
Die gesamte Maßnahme war erneut bestens vorbereitet durch den Verein bzw. durch den 1. Vorsitzenden des Burgvereins, Konrad Engleder und dessen engere Mitarbeiter. Die Betreuung während der Grabung ließ keinerlei Wünsche offen und auch die Arbeitsleistung fiel erneut eindrucksvoll aus.
Von der Presse erschien Alfons Jäger und verfasste sehr gute Artikel für die Passauer Neue Presse (28. 10. 2008) und die „Regiowiki“
Am Samstag, 18. 10., nahmen teil: Sigi Berg, Horst Eichinger, Wolf-Dieter Hergeth, Anita Jäger, Koni Engleder, Fred Findl, Tanja Findl, Manfred Tomandl, Tobias Jenert, Rudi Schnauhuber, Tim Schnauhuber, Jannik Schnauhuber, Robert Boborowski, Fabian Boborowski, Edmund Rausch, Fabian Märzenacker, Julian Hauer, Isolde Ulbig, Albert Ulbig, Rainer Wetzl, Lili Wetzl, Emmi Riegelsperger, Toni Sperl, Gabi Sperl, Andrea Stammberger, Karl Hartwig, Lisa Hartwig, Felix Hartwig, Petra Eckerl und Hildegund Jenert.
Am Sonntag, 19. 10. wirkten mit: Anita Jäger, Koni Engleder, Christoph Engleder, Petra Eckerl, Hildegunde Jenert, Tobias Jenert, Manfred Tomandl, Marie Mayer, Jonas Mayer, Theo Mayer, Wolf-Dieter Hergeth, Tanja Findl, Robert Boborowski, Fabian Boborowski und Gabi Sperl.
Das beantragte und genehmigte archäologische Schnittprogramm (2 Schnitte) musste erneut leicht variiert werden, denn eine intensive Begehung vor Ort bewog den Berichterstatter, Schnitt S 10 um einige Meter nach Westen zu verlegen, so dass er direkt südlich des Schnitts S 3 von 2003 zum Liegen kam. Da der 2003 angetroffene Mauerzug sofort im Profil des neuen Schnitts unmittelbar vor einem großen Baum erschien, wurde darauf verzichtet, diesen Schnitt zu vertiefen. Stattdessen wurde das Profil gesäubert und fachgerecht aufgenommen.
Auch Schnitt S 11 wurde aufgrund einer genauen Begutachtung der topografischen Situation leicht nach Osten versetzt und nun unmittelbar östlich des Brunnens angelegt. Die Erkenntnisse aus Schnitt S 11 führten zum Eintiefen eines archäologischen „Fensters“ im Südosteck des südöstlichen Plateaus, das die bereits 2005 geäußerte Behauptung, die Südostterrasse sei modernen Ursprungs, eindeutig bestätigte. In diesem „Fenster“ erschienen lediglich moderner Hausrat und ein zerlegtes Fahrrad.
Da bislang eigentlich nur 1 Schnitt angelegt worden war, beschloss man, nochmals auf dem Haupthügel (S 1 & S 2 von 2003; S 9 von 2005) einen Grabungsschnitt abzutiefen, diesmal an der Nordseite, wo die wallartige Struktur noch gut erhalten war. Die drei zuvor angelegten Grabungsschnitte hatten ja allenfalls allerletzte Spuren einer ehemaligen Steinbebauung tangiert, aber keinerlei intaktes Mauerwerk.
Erneut wurden die groben, oberflächlichen Arbeiten mit einem Kleinbagger bewältigt, insbesondere die Entfernung des dichten Gestrüpp- und Baumbewuchses, während das Graben in die Tiefe händisch erfolgte. Dabei wurden die Funde nach Schnitten und Fundschichten sortiert und vor Ort gleich gesichtet, wobei die Auswahl, Bestimmung und Katalogisierung der ausgewählten Fundstücke einmal mehr durch Franz Kaller M.A. vorgenommen wurde.
Messnetze konnten aufgrund der begrenzten Zeit und der sehr engen Budgetierung nicht eigens aufgeschlagen werden; die Schnitte wurden stattdessen mit dem Theodolit grob eingemessen und unter Bezugnahme auf optische Anhaltspunkte und ältere Schnittpositionen in den topografischen Plan von 1998 eingetragen. Mehr war nicht möglich. Die Gauß-Krüger-Koordinaten wurden aus dem Plan von 1998 herausgemessen.
Eisenberg-Zell, 3. Februar 2009
Dr. phil. Joachim Zeune

Fig. 2:
Schutzbau über dem 2005 in Schnitt S 7 angetroffenen Mauerzug
II. GESCHICHTLICHE RAHMENDATEN
Hier wird der geschichtliche Abriss aus dem Bericht von 2003 reproduziert, verwiesen, der unverändert Gültigkeit besitzt:
Aufgeführt werden hier nur jene historischen Daten und Fakten, die für die Baugeschichte der Burg von Bedeutung sein können.
Generell ist anzumerken, dass man über die Burg selbst so gut wie gar nichts weiß und dass sich in der bisherigen Literatur Wirklichkeit und Fantasie – wie es für einen Burgstall mit unterirdischen Gängen und einem sehr tiefen Brunnen zu erwarten ist – durchmengen. Folglich haben sich auch um beide Sagen und Geschichten gebildet.
Als Quellenmaterial wurden die Ausführungen von Karl Schaefler in den Simbacher Heimatheften herangezogen, die 1956 in einer Sonderschrift zusammengefasst wurden.
Ein Ortsadel wird für Julbach bereits 1078 mit einem Raffolt de Jugilbach greifbar. 1112 erscheint ein Werinhart de Jugelbache unter den herzoglichen Ministerialen (= Dienstmannen) als Zeuge in einer Schenkungsurkunde von Herzog Welf II. Besagter Werinhard wird dreißig Jahre später, 1142, noch als dominus (= Herr) bezeichnet, 1150 dann bereits als nobilis (= Edler). d.h. edelfreier Adeliger. Der gesellschaftliche Aufstieg des Julbacher Geschlechtes setzte sich rasch weiter fort, denn 1165 hören wir von einem Gebhardus comes de iulbach, d.h. einem Grafen von Julbach.
Die Grafen von Julbach waren bereits damals auch mit der Burg Schaunberg begütert und nannten sich fortan „Grafen von Julbach und Schaunberg“.
Ab 1195 benannte sich das Grafengeschlecht nur noch nach seiner Burg Schaunberg, auf der Burg Julbach saßen nur noch verwaltende Dienstmannen u.a. aus Winkelheim, Stall und Hitzenau.
1377 verpfändete Friedrich, Burggraf zu Nürnberg die Veste, Pflege und Herrschaft Julbach für 8.000 Gulden zur Wiedereinlösung an die Landshuter Linie der Wittelsbacher bzw. An Kurfürst Otto mit dessen Vettern. Fünf Jahre später, 1382, verzichteten Graf Heinrich VI. Von Schaunberg mit seinen Söhnen auf ihre verpfändete Veste und Herrschaft Julbach, wodurch die Burg Julbach an die Landshuter Linie der bayerischen Herzöge kam.
Fortan saßen auf der Burg diverse herzögliche Pfleger und Richter.
Im Wittelsbacher Erbfolgekrieg, in dem sich die Julbacher auf die Seite von Herzog Albrecht von München-Bayern gestellt hatten, ließ Pfalzgraf Rupprecht die Burg 1504 zerstören bzw. niederbrennen.
Bausteine der Burg dürften zuerst im 1505 erbauten sog. „Neuen Schloss“ und in den Jahrhunderten danach vom Dorf gebrochen und verbaut worden sein (Kirchhof, Gasthof etc .). Ausgrabungen in Zusammenhang mit Abbrucharbeiten sind u.a. 1832 und 1887 erwähnt, da man Münzen barg. Zur Erstellung eines Grundrisses wurden 1932 nochmals Grabungen durchgeführt.
Über das
Aussehen der Burg berichtet nur eine einzige historische Quelle. Als der
bekannte Kartograf Philipp Apian kurz vor 1568 Julbach besuchte, erwähnte er
lediglich Ruinen der vesten Doppelburg zu
Julbach oben auf dem Berge.., was sich natürlich nur als Verweis auf eine
zweiteilige Anlage interpretieren lässt. Diese Zweiteilung ist zwar vor Ort gegeben,
jedoch nicht in solch markanter Form, dass man dies besonders betonen müsste.
Auf der Tafel 15 seiner „Baierischen Landtafeln“ ist Julbach als
Ort mit Kirche mit der darüber auf einem Hügel liegenden Burgruine dargestellt,
wobei man rechts einen zinnenbekrönten Turm, links ein kapellenähnliches
überdachtes Gebäude erkennt. Zwischen beiden erstreckt sich eine ruinöse
Ringmauer, die den Verfallszustand der Burg veranschaulicht.

Fig. 3:
Philipp
Apian: Baierische Landtafeln, Blatt 14. Ingolstadt 1568 (Ausschnitt).
Burg Julbach
ist hier rot markiert.
Ansonsten taucht die Burg aufgrund ihres recht frühen Zerstörungsdatums auf keiner historischen Ansicht des Ortes Julbach auf.[1] Tatsächlich muss die Burgruine bereits gegen Mitte des 16. Jahrhunderts in solch beträchtlichem Maß gebrochen, d.h. abgetragen worden sein, dass sie nicht einmal als Ruine darstellenswert war.
Aufgrund dieser dürftigen Quellenlage sind die Rekonstruktions-zeichnungen der Burg Julbach von Josef Hirsch, bei Schaefler abgedruckt, als völlig realitätsferne Versuche einzuschätzen. Die dort wiedergegebene Burgarchitektur ist geprägt von den Klisches der Burgenromantik, bewegt sich fernab bestimmter Bauepochen des Burgenbaues und jenseits jeglicher seriöser Burgenforschung.
III. BAUBESTAND
Auch hier wird auf die Beschreibung von 2003 verwiesen, da diese gleichfalls weiterhin relevant ist.
Ergänzend lässt sich seit 2005 aussagen, dass es sich ganz offenbar um mindestens zwei Großbauphasen auf dem Schlossberg handelt: eine, die zweifelsfrei noch in die Mitte des 12. Jhdts. datiert und sich nurmehr anhand von Spolien – Kleinquader bzw. Handquader – abzeichnet, und eine große Ausbauphase um 1500, entweder kurz vor oder nach der Zerstörung von 1504. Zu der zweiten Großbauphase gehören die Errichtung eines Zwingers nach Westen und Süden und der Wiederaufbau des Hauptturms auf dem Haupthügel.
Intakter Erstbestand aus der Mitte des 12. Jhdts., d.h. original Mauerwerk wohl aus Tuffhandquadern, noch in situ, wurde bislang nirgends angetroffen. Aus burgentyplogischen Gründen ist anzunehmen, dass auf dem höchsten Punkt des Burgareals – auf dem Haupthügel, der jedoch teilweise aus Abbruchschutt besteht – ein großer quadratischer Wohnturm stand.
IV.
ZIELSETZUNG DER SCHNITTE
PLAN 1 (SCHNITTPLAN)
Gemeinhin waren weiterführende Informationen zur Baugeschichte und Gestalt der ehemaligen Grafenburg erwünscht.
Hierzu wurden zwei Schnitte geplant, die beide eine konkrete Zielsetzung besaßen.
Schnitt S 10
Fotos 1A-13A
Gauß-Krüger: Rechts: 4571287; Hoch: 5347347
Im Jahr 2003 konnte entlang der westlichen Hangkante ein maroder Mauerzug (M1) in Schnitt S 3 entdeckt werden, der offenbar nach Norden wie auch Süden in starken Störungen abbrach. Seine Zeitstellung lag in den Jahren um 1500, was dafür sprach, dass man damals einen neuen Torzwinger schuf.
Da im Südwesteck der Burganlage keinerlei Spuren des Mauerzugs mehr sichtbar waren, hier offenbar gleichfalls massiv gestörtes Gelände vorzuliegen schien, wurde versucht, durch Schnitt S 10 den Beginn dieser Störungen bzw. die Abbruchkante der M 1 zu erfassen.
Schnitt S 11
Fotos 19-30A
Gauß-Krüger: Rechts 4571348/4571351; Hoch: 5347357/5347361
Bereits 2003 und 2005 hatte sich der Eindruck eingestellt, die klar definierte südöstliche Hangterrasse unterhalb des Hauptfelsens könnte modernen Ursprungs sein. Unklar blieb, wo die moderne Aufplanierung des Geländes einsetzte. Mitglieder des Vereins behaupteten nun, sie hatten gleich östlich des Burgbrunnens Mauerreste bemerkt – was der Berichterstatter für sehr unwahrscheinlich hielt. Da sich hier im Gelände allerdings eine leichte Stufe abzeichnete, wurde beschlossen, hier zur endgültigen Klärung der originalen Topografie einen kleinen Grabungsschnitt anzulegen.
Schnitt S 12
Fotos 31A-36A
Gauß-Krüger: Rechts: 4571335; Hoch: 5347387/5347390
Bereits dreimal hatte man 2003 (Schnitt S 1 & S 2) und 2005 (Schnitt S 9) den wallartigen Gipfel des Haupthügels archäologisch untersucht. Der Nachweis älterer Mauern gelang nur indirekt über deren Abbruchspuren, intaktes Mauerwerk schien aufgrund des intensiven Steinbruchs der letzten Jahrhunderte nicht mehr zu existieren. Einzig die Nordseite war archäologisch noch nicht tangiert worden, so dass den negativen Gesamtbefund hier arrondieren wollte. Wie so oft in vermeintlich geklärten Situationen überraschte dieser Schnitt nun prompt mit einem positiven Befund.
V.
SCHNITTBESCHREIBUNGEN & BEFUNDE
PLAN 2 (SCHNITTPLAN)
Schnitt
S 10
Zeichnung: BLATT 1A;
BLATT 1B: Nordprofil 1:20 (F. Kaller)
Fotos 1A-13A; Abb. 1
Position:
Gauß-Krüger: Rechts: 4571287; Hoch: 5347347
Fortsetzung des Schnittes S 3 in südlicher Richtung bis zum südlichen Ende einer dammartigen, dicht baumbestandenen Erhebung, ca. 15 m südlich von Schnitt S 3.

Fig. 4: Beginn der Abtiefungsarbeiten an Schnitt S 10.
Befundsituation:
Beim Abtragen der dammartigen bzw. wallartigen Erhebung von Süden her erschien ca. 1,0 m über der Oberkante des Walls, d.h. auf Höhe des heutigen Burgwegs, sofort der Querschnitt einer Backsteinmauer (M1), woraufhin der Schnitt sofort eingestellt wurde. Begonnen: 18. 10., eingestellt: 18. 10. 2008.
Befunde:
Befund 1
Backsteinmauer, im Querschnitt erfasst, ca. 1,14 m dick. Mauerstärke definiert durch den untersten Backstein der Außenschale (auf Höhe 459,88 m üNN). Backsteine orange-rötlich gebrannt, im Brand recht weich. Formate leicht variabel: 29 x 13 x 9 m – 30 x 15 x 9 cm – 30 x 14 x 8 cm. Gesetzt im hellgrauen, harten, grob gemagerten (bis 15 mm) Kalkmörtel. Kein klarer Steinverband erkennbar, zumeist die Backsteine als Binder vermauert, zwischendurch aber auch eine Lage Läufer. Etwa in halber Höhe ein 6-8 cm breiter Rücksprung an der Ostkante bzw. Innenkante (Befund 1a).
Zustand der Mauer aufgrund der starken Durchwurzelung recht marod. Deutlich nach oben und nach Süden abgebrochen. Erhalten hat sich eine Höhe von max. 80 cm.

Fig. 5: Schnitt S 10, Mauer M1 im Querschnitt. Ansicht
von Süden.
Befund 2
Kiesiger Untergrund, vermutlich verwitterter Nagefluh.
Befund 3
Heterogener Abbruchschutt (Backsteinfragmente, aufgewitterter Mörtel (Sand), reicht direkt an die Mauer, überzieht sie komplett. Im oberen Bereich Humus und Wurzelwerk.
Funde:
Keramik des 13. bis 15. Jhdts. (siehe Fundkatalog S 10-1 mit S 10-13), vermischt im Schutt; korrodierte Metallgegenstände.
Schnitt S 11
Zeichnung: BLATT 2A; BLATT 2B: Planum 1:20 (F. Kaller)
Fotos 19-30A; Abb.
2-4
Position:
Gauß-Krüger: Rechts 4571348/4571351; Hoch: 5347357/5347361
Direkt östlich des Burgbrunnens im Bereich des Burgwegs, wo kleine Erhebung sichtbar ist.
Schnittgröße ca. 2,5 m x 2,5 m, mit einer kleinen „Nase“ von 0,9 x 0,9 m nach Nordosten.
Befundsituation:
In ca. 1,2 – 0,8 m Tiefe (der Boden fiel steil nach Süden ab) erschien unter dem rezenten Waldhumus (0,2 m dick) und einem heterogenen Schichtpaket aus Schutt (Backsteinfragmente, Tufffragmente, aufgewitterter Mörtel bzw. Sand) eine gleichmäßige Bettung aus Kalkmörtel, die lockerem Kiesel (Verwitterungshorizont Nagelfluh) aufsaß. Diese Bettung gehörte zu zwei komplett abgebrochenen Mauerzügen und war massiv, d.h. großflächig nach Norden und Süden gestört, wobei die nördliche Störung punktuell 50 cm tief in das Mörtelbett hineingreift (s. Bef. 2).

Fig. 6: Schnitt S 11. Blick von Süden auf das
Mörtelbett einer ehemaligen Mauer. Unten rechts das Punktfundament Bef. 3
Meterstab 100 : 100 cm..
Befunde:
Befund 1
Mörtelbettung aus weißlich-gelblichen Kalkmörtel, sehr grob gemagert (bis 50 mm). Oberfläche fällt stetig nach Süden ab (461,27 m üNN im Norden, 460,87 m üNN im Süden). Breite des Mörtelbetts ca. 1,8 m, Dicke durch-schnittlich 35-40 cm. Direkt auf lockeren Kiesel gesetzt. War Bettung für einen West-Ost verlaufenden Mauerzug. Mörteloberfläche gut geglättet, Mörtelspuren und sanfte Negativabdrücke verweisen auf ehemals aufgehendes Mauerwerk, das neuzeitlich komplett eingelegt wurde.
Im Profil zieht der Abbruchschutt direkt auf das Mörtelbett.
Befund 2
Störungen, beim Mauerabbruch verursacht.
Befund 3
Großer Kalkstein, als Punktfundament für das ehemalige Mörtelbett eingelagert, von Kalkmörtel flächig überzogen.
Befund 4
Fuge im Mörtelbett, 3-4 cm breit, deutlich definiert.
Befund 5
Ursprüngliche Breite des Mörtelbetts nach Norden. Durch Störung verunklärt.
Befund 6
Sekundär ansetzendes zweites Mörtelbett, läuft groß Richtung Norden. Fundamentierung für einen sekundär errichteten Mauerzug, der Richtung Nordnordosten zog.
Befund 7
Backstein, ca. 14 cm breit und 8 cm hoch. Liegt auf dem Mörtelbett Bef. 1 auf, eingelagert in Schutt.

Fig. 7: Schnitt S 11. Blick auf die Störung Bef. 2 von
Südosten. Meterstab: 100 cm.
Funde:
Wenig Keramik des 13. bis 15. Jhdts., gut durchmischt in heterogener Schuttschicht (siehe Fundkatalog S 11-1 bis S 11-4).
Schnitt S 12
nicht gezeichnet; nur
Fotos 31A-36A; Abb. 5 & 6
Position:
Gauß-Krüger: Rechts: 4571335; Hoch: 5347387/5347390
Direkt nordöstlich von Schnitt S 9 (2005) wurde in Richtung Nord-Süd der nördliche Kamm des Haupthügels auf eine Breite von 0,6 m und eine Länge von 3,0 m geschnitten.

Fig. 8: Beginn der Abtiefungsarbeiten an Schnitt S 12.
Befundsituation:
Unter der 0,2 m dünnen Schicht von Waldhumus erschien etwa 0,9 m dickes Schichtpaket aus heterogenen Schutt (Backsteinfragmente, Tufffragmente, aufgewitterter Mörtel bzw. Sand). Unter diesem steckte mittig im Schnitt und nur als punktueller Befund, das letzte Fragment einer Mauer.
Da der Befund kurz vor Grabungsschluss freigelegt wurde, konnte er nur fotografisch dokumentiert werden.
Danach wurde der Befund mit einer Folie abgedeckt, dann mit feinem Humus überschüttet, bevor der Bauschutt wieder in den Schnitt eingefüllt wurde. Der Befund steckt also gut geschützt und völlig intakt in der Erde.
Befunde:
In etwa 1,1 m Tiefe erschien mittig im Schnitt unter dem Schuttpaket das 50 x 60 cm große Fragment eines Mauerzugs. Dabei handelte es sich das Füllwerk eines Zweischalenmauerwerks, bestehend aus weißlich-grauen, grob gemagerten (bis 15 mm) Kalkmörtel, Bachkatzen, Nagelflugbrocken und Kalksteinbruchstücken und Dachziegelfragmenten.
Besonders bemerkenswert war der Umstand, dass im Kalkmörtel dieses Füllmauerwerks das Randstück eines Topfes steckte. Es handelt sich um eine helltonige Randscherbe, allerdings ohne Rand, die vermutlich ins 15. Jhdt. datiert. Direkt unter der Randscherbe fand sich ein Dachziegel-fragment.

Fig. 9: Schnitt S 12. Mauerfragment von Norden. Links
das Gefäßfragment.
Funde:
Während aus der Schuttschicht nur wenig Keramik des 13. bis 15. Jhdts. kam, enthielt das Füllmauerwerk des Mauerfragments einen spätmittel-alterlichen Scherben, der hilft, das Mauerwerk zu datieren. Der dürfte aus dem 15. Jhdt. stammen und geriet beim Mauerbau in das Fundament. Die Mauer kann daher nicht älter sein als das 15. Jhdt.

Fig. 10: Schnitt S 12. Detail des Mauerfragments mit
dem Gefäßscherbe (links). Ansicht von Norden.
Archäologisches
Fenster am Südosteck der Südostterrasse
keine Dokumentation, da komplett modern
Position:
Gauß-Krüger: Rechts: 4571363; Hoch: 5347387/5347374
Im Südosteck der Südostterrasse wurde ein ca. 50 x 50 cm großes archäologisches „Fenster“ angelegt, um hier nochmals den 2005 postulierten modernen Ursprung der Terrasse zu überprüfen. Dies war notwendig geworden durch einen in Schnitt S 11 erschienenes Mörtelbett eines ehemaligen Mauerzugs.
Befundsituation:
Direkt unterhalb des rezenten Waldbodens erschien moderner Hausrat (rostige Töpfe; Waschmaschinenteile; Altmetall; Teile eines Fahrrads).
Der Schnitt wurde daraufhin auf 50 cm vertieft, ohne dass eine Änderung in der Befundsituation eintrat.
Die Südostterrasse ist folglich definitiv modernen Ursprungs, indem hier Hausrat bzw. Sondermüll heimlich und illegal entsorgt wurde.
Befunde:
s.o.
Funde:
s.o.
FUNDE & FUNDKATALOG
Zeichnungen 1-3
Alle Funde wurden nach Schnitten und Schichten getrennt sortiert, vor Ort gesichtet und in einem kurzen Fundkatalog erfasst (F. Kaller M.A.).
Fundverbleib: Alle Funde sind im Bauhof der Gemeinde eingelagert.
Die Keramik reichte vereinzelt in das 13. Jhdt. zurück, umfasste aber zumeist Keramik aus dem Spätmittelalter (SMA) oder der Frühen Neuzeit (FNZ; 15./16. Jhdt.).
Ausgewählte Keramikfunde der Untersuchung auf dem Schloßberg von Julbach im Oktober 2008
S 10 – 1
Deckelfragment, Dm 10 cm,
reduzierend gebrannt, sehr hart. Gemagert mit sehr feinem Sand, sehr feinen
Glimmerteilchen. Im Bruch gelbgrau, außen und innen umbragrau. Schnell gedreht,
außen Drehriefen als Zier, oben eingekerbte Schlangenlinien und schräg
eingedrückte Kerben. Wohl 14.Jh.
S10 – 2 Lampenschälchen, Dm 13 cm. Red., sehr hart. Sehr feiner Sand, viel feiner Silberglimmer, etwas Schamotte. Schnell gedreht, mit Zwischenscheibe. Bruch gelbgrau, außen und innen umbragrau. Durchgedrückte feine Magerungskörnchen in der Oberfläche. Etwa 13./14. Jh.
S10 – 3 Lampenschale, Dm 13 cm. Oxidierend gebrannt, sehr hart. Mittlerer bis grober Quarzsand, etwas Glimmer. Durchgedrückte Magerungskörnchen. Gedreht, evtl. nachgedreht mit Zwischenscheibe. Keine Zier, überall beige. Etwa 13. Jh.
S10 – 4 Krugrand, Dm 10 cm. Ox., sehr hart. Schnell gedreht. Feiner bis grober Quarzsand, Schamotte, etwas feiner Silberglimmer. Magerungskörner teils durchgedrückt. Überall beige bis hellelfenbein. Ende 15. Jh.
S10 – 5 Topfrand, Dm 15 cm. Red., sehr hart. Mittlerer bis grober Quarzsand, sehr feiner Silberglimmer. Eisengrau innen und außen, Bruch gelbgrau. Schnell gedreht, durchgedrückte Magerungskörnchen. Zarte Drehriefen außen. 15.Jh.
S10 – 6 Topfrand, Dm 14 cm. Mischbrand, sehr hart. Feiner bis mittlerer Quarzsand, sehr feiner Silberglimmer. Innen und außen beige, Bruch kieselgrau bis braungrau. Schnell gedreht, teilweise durchgedrückte Magerung. 15. Jh.
S10 – 7 Topfrand, Dm 10 cm. Wechselbrand, sehr hart. Quarzsand fein, etwas Schamotte, feiner Silberglimmer. Außen und innen umbragrau bis gelbgrau (ungleichmäßig), Bruch gelbgrau. Nachgedreht, unrund. 13. Jh.
S10 – 8 Topfrand, Dm 16 cm. Red., sehr hart. Quarzsand fein bis mittel. Außen und innen staubgrau bis zementgrau, Bruch gelbgrau. Teils durchgedrückte Magerung, außen metallisch glänzend. Schnell gedreht mit feinen Drehrillen außen. 15./16.Jh.
S10 – 9 Topfrand, Dm 18 cm. Red., sehr hart. Sehr feiner Quarzsand, etwas Silberglimmer. Überall kieselgrau. Schnell gedreht, etwas unrund. 14.Jh.
S10 – 10 Topfrand, Dm 14 cm. Red., sehr hart. Sehr feiner Quarzsand, etwas Schamotte, fein. Bruch kieselgrau, innen und außen staubgrau. Schnell gedreht. Wohl 15. Jh.
S10 – 11 Topfrand, Dm 22 cm. Wechselbrand, sehr hart. Quarzsand sehr fein bis mittel, Schamotte, Silberglimmer. Innen und im Bruch gelbgrau, außen umbragrau bis gelbgrau. Schnell gedreht, 14. Jh.
S10 – 12 Topfrand, Dm 27 cm. Red., sehr hart. Quarzsand fein bis grob, etwas Silberglimmer. Innen und außen umbragrau bis betongrau, Bruch achatgrau. Schnell gedreht, durchgedrückte Magerung, etwas unrund. relativ breite Zierrille im Rand. Wohl 15. Jh.
S10 – 13 Topfrand, Dm 28 cm. Wechselbrand, sehr hart. Feiner Quarzsand mit groben Teilen, etwas Silberglimmer. Innen und außen beige, Bruch zementgrau. Schnell gedreht, durchgedrückte Magerung. 14./15. Jh.
S11 – 1 Tellerchen, Dm 9 cm, sehr hart. Ox., Quarzsand fein mit groben Körnern, etwas sehr feiner Silberglimmer. Hellelfenbein, im Bruch perlweiß. Sehr schnell gedreht mit tiefen Riefen als Zier auf der Fahne. Zwischenscheibe. Spiegel mit kleinen Radkreuzen bestempelt. Wohl 15.Jh.
S11 – 2 Flaschenrest (Aquamanile?), Mündung. Dm obere Bruchkante 6 cm, Zierleiste Dm 11 cm. Ox., sehr hart. Quarzsand fein, sehr feiner Silberglimmer, Schamotteteilchen. Beige überall. Schnell gedreht. Rotbraune Engoberinge und federartige Pinselstriche als Zier. Hals vielfach durchstochen, zwei Reihen erkennbar. Aufgelegte gekerbte Leiste. Evtl. Gießgefäß zum Händewaschen. Wohl 15./16.Jh.
S11 – 3 Lampenschale, Dm 14 cm. Wechselbrand, sehr hart. Quarzsand mittel, viel feiner Silberglimmer. Schmutzig beige, teils geschwärzt. Gedreht mit Zwischenscheibe, Magerungskörner teils durchgedrückt. Evtl. 13. Jh.
S11 – 4 Topfrand, Dm 19 cm. Ox., sehr hart. Quarzsand mittel, viel feiner Silberglimmer, etwas Schamotte. Überall beige. Gedreht, Magerung teils durchgedrückt. 14./15. Jh.
Lesefund vom Osthang: Topfrand, Dm 18 cm. Reduzierend gebrannte Graphittonware, sehr hart. Feiner Quarzsand, sehr viel Graphit, teils schuppig. Schreibt. Innen und besonders außen wulstartige Drehriefen. Topf graphitgrau, im Bruch dunkler als innen und außen. Ab 13. Jh.
VI.
ZUSAMMENFASSUNG
Die Ergebnisse der Grabungskampagne 2008 sind als wichtiger Informationszugewinn zu werten.
In Schnitt S 10 wurde die südliche Fortsetzung der Backsteinmauer M1 aus Schnitt S 3 von 2003 direkt an ihrer Abbruchkante freigelegt (BLATT 1A; BLATT 1B; Abb. 1; Fig. 5). Damit bestätigte sich, dass die Mauer am Südwesteck des Burgareals komplett beseitigt wurde. Die Datierung in die zeit um 1500, also kurz vor oder nach der Zerstörung von 1504, konnte bekräftigt werden.
Topografischen und typologischen Überlegungen zufolge sollte es sich bei dem 1,14 m starken Mauerzug um eine jüngere zugangsflankierende Mauer handeln, die vermutlich zu einer Torzwingeranlage gehörte.
In Schnitt S 11 erschienen als letzte Rudimente ehemaliger Steinbauten zwei dem Kiesel aufgesetzte, ca. 40 cm starke Kalkmörtelbettungen, die zur Stabilisierung des Mauerwerks auf dem lockeren Mergel dienten (BLATT 2A; BLATT 2B; Abb. 2-4; Fig. 6 & 7). Das durch eine Baufuge (BLATT 2A, Bef. 4; BLATT 2B; Bef. 4) als älter ausgewiesene Mörtelbett Bef. 1 trug einst einen im Fundamentbereich evtl. 1,8 m dicken, West-Ost ausgerichteten Mauerzug, während das jüngere Mörtelbett (BLATT 2A, Bef. 6; BLATT 2B, Bef. 6) einen nordöstlich verlaufenden Mauerzug trug.
Um zu überprüfen, ob dieser nordöstlich abzweigende Mauerzug tatsächlich oberhalb der 2005 als modern klassifizierten Südostterrasse verlief, d.h. die Terrasse auch wirklich modernen Ursprungs ist, wurde am Südosteck der Terrasse ein kleines archäologischen Fenster angelegt, dass nur modernen Müll enthielt und anzeigte, dass diese Terrasse durch die Ablagerung modernen Hausmülls entstand.
Dies bedeutet, dass unmittelbar östlich des Burgbrunnens eine massive Steinbebauung vorhanden war, die sich allerdings nicht über die Südostterrasse erstreckte, da diese modernen Ursprungs ist. Gleiches gilt für den nordöstlich ansetzenden jüngeren Mauerzug, der vermutlich oberhalb der Südostterrasse verlief und evtl. eine jüngere Ringmauer darstellte.
Überraschend fiel der Befund in Schnitt S 12 auf, der die Nordseite des Haupthügels über eine Länge von 3 m schnitt. Während die 2003 (Schnitt S 1 & S 2) und 2005 (Schnitt S 9) hier angelegten Schnitte kein intaktes Mauerwerk mehr antrafen, sondern nur intensiven Steinbruch belegten, trat in Schnitt S 12 tatsächlich mittig im Schnitt in etwa 1,1 m Tiefe unter dem Schuttpaket das 50 x 60 cm große Fragment eines Mauerzugs zutage. Dabei handelte es sich das Füllwerk eines Zweischalenmauerwerks, bestehend aus weißlich-grauen, grob gemagerten (bis 15 mm) Kalkmörtel, Bachkatzen, Nagelflugbrocken und Kalksteinbruchstücken und Dachziegelfragmenten.
Besonders bemerkenswert war der Umstand, dass im Kalkmörtel dieses Füllmauerwerks das Randstück eines Topfes steckte. Es handelt sich um eine helltonige Randscherbe, allerdings ohne Rand, die vermutlich ins 15. Jhdt. datiert. Direkt unter der Randscherbe fand sich ein Dachziegel-fragment.
Dachziegel und Keramik belegen eine Errichtung der Mauer um 1500, also kurz vor oder nach der Zerstörung von 1504. Damit wurden die Befunde von 2003 bestätigt.
Der Befund spricht dafür, dass der zweifelsohne hier einst befindliche alte Hauptbau der Burg, vermutlich ein großes quadratisches Turmhaus, um 1500 weitgehend erneuert wurde.
VIII. AUSBLICK
Während der Grabungskampagne am 18. und 19. Oktober 2008 wurden mit dem Vorstand des Vereins „Burgfreunde zu Julbach“ intensive Gespräche darüber geführt, wie es mit dem Burgstall weitergehen soll.
Einig ist man sich hinsichtlich der Zielsetzung, den Burgstall langfristig zu schützen und für dessen Erhalt Sorge zu tragen. Dies beinhaltet regelmäßige Pflege- und Wartungsarbeiten.
Auch darüber, dass ein solches Schutzkonzept nur möglich ist, wenn man den Burgstall der Öffentlichkeit als attraktiven Ausflugspunkt erschließt, damit diese eine zusätzliche Überwachungsfunktion übernimmt, und durch Aktivitäten auch die Mitglieder des Vereins motiviert, ihre ehrenamtliche Tätigkeiten weiterhin engagiert fortzuführen, besteht Einvernehmen zwischen der Projektleitung (Der Berichterstatter) und dem Vorstand.
Deutlich wurde bei diesen Gesprächen, dass beiderseits der Wunsch besteht, ein klares langfristig ausgerichtetes Arbeits- und Erschließungskonzept zu etablieren, das verbindlich über die nächsten Jahre hinweg die Tätigkeiten auf dem Schlossberg regelt. Zu vermeiden sind fortwährende archäologische Grabungen ohne klare Zielsetzung ebenso wie historisierende Wiederaufbauten.
Im Vordergrund muss eine seriöse, wissenschaftlich fundierte Erschließung stehen.
Dieses Konzept soll im Frühjahr 2009 in Zusammenarbeit mit dem Vereinsvorstand und der Gemeinde ausgearbeitet und dann dem Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Abtlg. Bodendenkmalpflege, zur Abstimmung vorgelegt werden.
Eisenberg-Zell, 03. 02. 2009
Dr. Joachim Zeune
[1] Erst ab Mitte des 16. Jhdts. gibt es in größerer Vielzahl naturgetreue Darstellungen altbaierischer Burgen, wobei hier vor allem Jost Amann mit seinen Skizzen zum Kartenatlas des Philipp Apian (1568) zu nennen ist.